karlsruher appell für eine gesellschaft ohne prostitution

Karlsruher Appell für eine Gesellschaft ohne Prostitution

Karlsruher Appell für eine Gesellschaft ohne Prostitution

Angesichts der jahrelangen stagnierenden politischen Debatten, die in keiner Weise den  verheerenden Entwicklungen in der Prostitution gerecht werden, angesichts der aktuellen Auseinandersetzungen bezüglich einer Forderung nach einer Gesellschaft ohne Prostitution und angesichts der Tatsache, dass bisher keine Partei die täglich und zunehmend stattfindenden Menschenrechtsverletzungen in der Prostitution beendet hat, fordern wir

  • Die Bereitschaft aller politischen Akteure, sich für eine Gesellschaft ohne Prostitution einzusetzen
  • Regulierung der Prostitution als sozialverträgliche Übergangslösung mit dem langfristigen Ziel einer Gesellschaft ohne Prostitution
  • Langfristig die Bestrafung von Menschen, die Männer und Frauen für sexuelle Handlungen „kaufen“
  • Aktive Aufklärung über Prostitution in den Schulen
  • Aktive Aufklärung über Prostitution in den möglichen Herkunftsländern

Das ProstG, verabschiedet am 19. Oktober 2001 von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, PDS und FDP, hat die Prostitution vom Stigma der Sittenwidrigkeit befreit und eine Rechtssituation geschaffen, die es Männern wie Frauen im Prostitutionsgewerbe ermöglicht, im Rahmen ihrer Tätigkeit eine Sozialversicherung und rechtsgültige Verträge abzuschließen und weitestgehend frei bestimmt zu arbeiten.

Das Gesetz sollte mit der Doppelmoral Schluss machen, Prostitution in die öffentliche Diskussion bringen und die gesellschaftliche Akzeptanz sowie die Arbeitsumstände der SexarbeiterInnen verbessern. Diese Intentionen waren gut, sie waren mutig und werden von niemandem in Frage gestellt. Ohne dieses Gesetz wäre es undenkbar, dass Bordellbetreiber in Talkshows freimütig entlarvende Einblicke in ihr Business gewähren. Die Lebensrealität vieler Frauen und Männer, die sich prostituieren wäre uns gleichgültig, weil wir nicht darüber reden würden.

Heute, 12 Jahr später wissen wir aber auch, dass sich die Lebenssituation der Zielgruppe nicht verbessert hat. Die Preise fallen, die liberale Gesetzgebung und der Zuzug von Menschen aus ärmeren Ländern macht Deutschland zu einem Eldorado für Menschenhändler, Bordellbetreiber und Zuhälterinnen. Dass wir in einem Europa der offenen Grenzen leben würden, war bekannt. Es war nur eine Frage der Zeit, wann die Liberalisierung und Armutsprostitution Deutschland zu einem favorisierten innereuropäischen Ziel für Sextouristen machen würde. Trotz aller Kritik: Dass die Liberalisierung einen ungestörten Handel in der Prostitution ermöglicht, ist nicht alleine dem Gesetz geschuldet, sondern der Untätigkeit aller nachfolgenden Regierungen. Jahre sind vergangen, die Kassen der Nutznießer, zu denen aufgrund der Steuereinnahmen wir alle gehören, haben sich gefüllt. Die menschenunwürdigen Zustände für viele Frauen und Männer, mit katastrophalen Folgen für Körper und Seele, von denen immer nur am Rande die Rede ist, haben sich verschärft.

Das Gesetz hat aber nicht nur eine Tür für Debatten aufgestoßen, sondern den Status des Gewerbes in der Gesellschaft insgesamt verändert. Was von Gesetzes wegen legalisiert ist, kann nicht falsch sein – in diesem Bewusstsein nehmen viele Männer täglich ihr „Recht auf bezahlten Sex“ wahr. Der Freier ist gesellschaftlich anerkannt. Es gilt längst nicht mehr als armselig, sich eine Frau zu kaufen sondern in manchen Kreisen als cool, manche Großbordelle genießen Kultstatus. Trotzdem wird die Ausübung der Prostitution nach wie vor einer prekären entscheidungsunfähigen Randgruppe zugeordnet. Schenkt man Berichten der StreetworkerInnen Glauben, findet sie nach wie vor in einem Milieu statt, das sich dem Blick der Öffentlichkeit entzieht und zu großen Teilen bestimmt wird von Drogen, Gewalt und Ausweglosigkeit. Diese paradoxe Situation scheint auf Seiten der Freier, einer Gruppe, die bisher nicht zur Verantwortung gezogen wird, niemanden zu stören. Die mediale Präsenz der Nutznießer („Wir haben eine Frauenbeauftragte in unserem Club, die Frauen sind alle freiwillig hier“) und die selbstbewusste Haltung der Hurenorganisationen, überstrahlen in diesem lukrativen Geschäft die prekäre Situation vieler SexarbeiterInnen.

Die Hurenorganisationen verhalten sich in der gesamten Debatte defensiv. Sie sind gut organisiert und verteidigen vehement und mit professioneller medialer Präsenz die Interessen ihrer Mitglieder. Ihre Botschaft lautet, stark verkürzt, dass die Gründe, in der Prostitution zu arbeiten vielschichtig sind. Dass es Menschen gibt, die, obwohl sie andere berufliche Optionen gehabt hätten, ihren Körper selbstbestimmt und freiwillig verkaufen. Menschen, die sich darüber im Klaren sind, was es bedeutet, als Prostituierte zu arbeiten, die damit gut umgehen können und sich eine Existenz geschaffen haben. Menschen, die diese Arbeit sehr ernst nehmen, professionelle Beziehungen auf Augenhöhe zu ihren Kunden aufgebaut haben und ihre Arbeit gerne machen.

Diese persönlichen Entscheidungen sollen im Rahmen der Debatte weder in Frage gestellt noch abgewertet werden. Sexworker sind nach eigenen Angaben mündige BürgerInnen, die sich bewusst dafür entschieden haben, in der Prostitution zu arbeiten. Es ist ihr Recht, für ihre Interessen einzutreten.

Nach allem was uns heute an Zahlenmaterial vorliegt, stellt die Gruppe der nicht von Ausbeutung Betroffenen SexarbeiterInnen jedoch eine Minderheit dar. Die Zahlen schwanken zwischen 5% und 10%. Diese, wie auch andere Zahlen sind tatsächlich strittig. Tatsache ist: viel zu viele Menschen müssen sich widerwillig prostituieren und jede/r einzelne von ihnen ist einer zu viel. Jede Frau, jeder Mann, jedes Kind hat ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung – das ist ein universelles Menschenrecht. Einen Anspruch auf Sex oder gar ein Recht auf Sex gibt es nicht.

Über die Abgrenzung von Prostitution (akzebtabel) und Zwangsprostitution (inakzeptabel) wird erbittert gestritten. Aber auch die unklaren, teils rückläufigen Zahlen im Bereich der Strafverfahren wegen Menschenhandel können nicht als „Beweis“ dafür herhalten, dass sich die Situation insgesamt verbessert hat. Vielmehr werden sie in vielen Quellen darauf zurückgeführt, dass sich aufgrund der derzeitigen Abschiebepraxis und unzureichender Zeugenschutzmaßnahmen nur wenige Opfer bereit erklären, gegen ihre Peiniger auszusagen.

Tatsache ist, dass Menschen in der Prostitution mehrheitlich einem System ausgeliefert sind, das ihre Integrität zerstört, der Übereinstimmung ihrer persönlichen Wertvorstellungen und dem, was sie tagtäglich körperlich erfahren. Die Liebe zur Intimität, auf die sich die männlichen Autoren im Text „343 Salauds“ berufen, offenbart einen Widerspruch und den Zynismus dieses Appells: Zugriff auf Intimität hat der, der zahlt. Es lässt sich lässig mit solchen Begriffen umgehen – sofern sie einen nicht persönlich betreffen. Niemand, der sich nicht bereits selber prostituiert hat, hat das Recht die Verletzung der Integrität und ihre fatalen Folgen zu verharmlosen. Die meisten Prostituierten möchten übrigens nicht, dass ihre Söhne oder Töchter ebenfalls im Gewerbe arbeiten. Sie werden ihre Gründe haben.

Es geht um wenige Profiteure und um viele prekäre Einzelschicksale. Und es geht um die Frage: Wie können wir als den Menschenrechten verpflichtete Gesellschaft mit der Prostitution, einem von Machismus und Ausbeutung geprägten System umgehen? Einem System, das menschliche Beziehungen ökonomisiert und mehr Verliererinnen als Gewinner produziert. Einem System mit extrem ungleichen Machtverhältnissen und einer bis an die Schmerzgrenze reichenden Benachteiligung von Frauen und Menschen in prekären Situationen. Auch wenn es so scheint, als ob  zukünftig alles gesetzlich geregelt werden könne, kommen wir um eine grundsätzliche Wertedebatte nicht herum: Das Bereitstellen von Kondomen und frischen Handtüchern macht aus Prostitution noch lange kein harmloses Geschäft.

Die Empörung ist allseits groß, wenn Märkte sich verselbständigen und prekäre Arbeitsbedingungen produzieren. Genau das aber findet tagtäglich in der Prostitution statt und zwar nach den gleichen ökonomischen Gesetzen, nach denen andere Dienstleistungen zu Flatratetarifen angeboten werden.

Warum sollte es angesichts dieser Entwicklung nicht möglich sein, auch in Deutschland die Abschaffung der Prostitution zu fordern? Viele Gesetze haben Veränderungen ermöglicht, die Jahre zuvor als politisch nicht durchsetzbar gegolten hätten, sei es die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe oder der Platzverweis bei häuslicher Gewalt. Warum jetzt diese Mutlosigkeit angesichts der täglichen Menschenrechtsverletzungen vor unserer Haustür? Warum dieses Festklammern an der Lebenslüge der guten, weil freiwilligen Prostitution? Und warum die Abkehr von allen emanzipatorischen Forderungen, die unter dem Druck der Hurenlobby und aus einem falsch verstandenen Freiheitsbegriff zur Verhandlungsmasse geworden sind?

Das Ziel einer Gesellschaft ohne Prostitution ist nicht, Prostituierte zu kriminalisieren, sondern ein Klima zu schaffen in dem der Kauf von Menschen nicht zur selbstverständlichen Handlungsoption wird. Auch das Argument, dass Prostituierten die Existenzgrundlage entzogen würde, greift nicht. Mit dem Fernziel des Abolitionismus sollten sich in einer sozialen Marktwirtschaft Bestandsrechte für Prostituierte sichern und Übergangslösungen erarbeiten lassen. Eine vergleichsweise kleine Interessensgruppe darf aber nicht verhindern, dass die sexuelle Ausbeutung unter menschenunwürdigen Umständen in großem Umfang beendet wird.

Ein weiteres Argument lautet: Prostitution würde weiter stattfinden, aber ins Dunkelfeld gedrängt mit schlimmen Konsequenzen für die Frauen. Bereits jetzt, im Zustand der Liberalisierung haben wir Konsequenzen, die verheerender kaum sein könnten. Niemand käme aber auf die Idee, Sklaverei wieder zu dulden, nur weil sie in Form von ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen auch heute noch – sogar in Deutschland – stattfindet.

Wie sich die massenhaft geduldete sexuelle Ausbeutung von mehrheitlich Frauen, mit der im Grundgesetz verankerten Aufgabe des Staates, die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern aktiv zu fördern verträgt, ist eine weitere nicht geklärte Frage.

Ulrike Maier · Dr. phil. Ingeborg Kraus · Karlsruhe · 3. November 2013

ErstunterzeichnerInnen: Sylvia Kotting-Uhl, Karlsruhe, MdB · Renate Rastätter, Karlsruhe, MdL a. D. · Tanja Kluth, Karlsruhe, Stadträtin · Anke Rigbers, Karlsruhe · Dorothea Meuren, Weinheim · Wolfgang Benn, Weinheim · Karen Ehlers, Böblingen · Ewald Schrade, Galerist, Karlsruhe · Collin Schubert, Terre des Femmes, Tübingen · Hilal Sezgin, Schriftstellerin und Publizistin, Lüneburger Heide/Berlin · Susanne Tröscher und Dr. Arnulf Tröscher, Weinheim · Charlotte Schneidewind-Hartnagel, MdL, Eberbach · Stefan Seitz, Sinsheim · Inge Kleine, Lehrerin, München · Heribert Hansen, Idar-Oberstein · Martina Ahrens ·  Beatrix von Hartmann, Fotografin, Karlsruhe · Sylvia Nitsche · Christiane Pütz · Lissi Hohnerlein, Karlsruhe · Jaqueline Lanz · Tatjana Cherifi, Wiesbaden · Martin Evels · Barbara Roth, München · Prof. Dr. Peter Weibel, Karlsruhe · Jessica Espinoza, Frankfurt/M. · Rebecca Nagel, Hannover · Paula Bruns Braunschweig · Teresa Lugstein · Günter Nitsche · Maximilian Kretzschmar, Dresden · Marijana Batan, Berlin · H. Wellhäuser, Herrenberg · Hedwig von Knorre · Tatjana Mayr · Thekla Walter, Stuttgart · Daniela Gretz, Karlsruhe · Alexandra Schmidt · Anne C. Davies · Amanda Pereira, Breisgau · Claudia Dewald, Karlsruhe · Mirjam Hafner · Sabrina Hammerschmidt, Bayern ·  Maria Knies · Ines Backhaus, Karlsruhe · Annette Muggenthaler, Karlsruhe · Susanna Scherer, Frankfurt · Alexandra Fleischmann · Eva Scheufler, Wien · Heidi Teerporten, Binswangen · Angelika Geyer, Schwarzenbach · B. Kränzler-Haas · Heribert Hansen, Neustadt/Weinstraße · Jörg Buschka, Wiesbaden · Waltraud Hingst, Mainz · Ines Fritz, Magdeburg · Manuela Schon, Wiesbaden · Rebecca Jung · Ursula Wojciechowski · Sonja Rothweiler, Pfinztal · Caroline Bruhn, Hürth · Sonja, Leipzig · Uli Bez, München · Christa Ostermaier-Stütz · Susanne Heine, Hannover · Angelika Traub, Karlsruhe · Sigrid und Peter Schild, Böblingen · Marita Vogelmann · Hannah Flüh, Berlin · Susanne Daferner, Karlsruhe · Barbara Dreyer · Detlef Reppenhagen, Weil der Stadt · Angela Schrof · Birgit Kruckenberg-Link, Hechingen · Anita Kienesberger, Wien · Linda Unger · Kerstin Horak, Berlin · Waltraud Pfisterer-Preiss, Herrenberg · Günter Nitsche · Birgit Henzler  ·  Manuel Ballehr, Groß Schwülper · Andreas Bylaitis, Aachen · Claudia Eser-Schuberth, Friedberg · Kristina Mohr, Essen · to be continued…

21 Antworten zu „Karlsruher Appell für eine Gesellschaft ohne Prostitution“

  1. banishea

    Vielen Dank für diesen Aufruf und für die gute, klare Sprache darin. Und für Euren Mut. – Jetzt noch für die AnfängerInnen unter uns: wo/wie kann ich der Appell unterzeichnet werden?
    Ich habe ihn auf Facebook so gut verbreitet, wie ich kann, und stelle ihn noch auf http://www.banishea.wordpress.com. Und auf Twitter. Beste Grüße, Inge Reed

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  2. Lissi Hohnerlein

    Ich finde diesen Apell sehr gut – und trotz der schlüssigen Erklärungen, ist mir das alles zu kurz gefasst. Dass immer mehr Frauen sich aus Armutsgründen prostituieren, muss auch Änderungen unserer Sozialpolitik zur Folge haben. Solange in unserer Gesellschaft das Vermögen so ungerecht verteilt ist und Frauen mit Prostituion ihre Familien ernähren müssen, weil der Arbeitsmarkt nicht anderes für sie hergibt, finde ich es schwierig dem Apell anzuschließen. Ich möchte nicht unterstützen, dass Frauen aus Armutsgründen kriminalisiert werden. Ich stehe hinter allen Aussagen, bräuchte aber noch mehr Einsatz für eine gerechtere Verteilung in unserer Welt – auch in Karlsruhe.

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    • karlsruherappell

      Erstmal danke für deine Unterstützung trotz Bedenken! Frauen dürfen weder aus Armutsgründen noch weil sie anschaffen gehen kriminalisiert werden. Davon ist aber auch keine Rede. Prostitution kann kurzfristig sicher Armut lindern, aber um welchen Preis und mit welchen Folgen. Unser Gedanke ist, dass wir uns als Gesellschaft nicht damit zufrieden geben sollten, Prostitution als Konzept gegen die Frauenarmut hinzunehmen.

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  3. Matthias Lehmann

    Ich würde gerne die Quelle(n) für die oben erwähnte Behauptung erfahren, dass die Gruppe der nicht von Ausbeutung Betroffenen Sexarbeiter_innen eine Minderheit darstellt.

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    • ulrikeroesemaier

      Gute Frage – hoher Anteil von MigrantInnen im Gewerbe (65%) davon der überwiegende Teil aus Niedriglohnländern plus ein komplett deregulierter Markt in dem arbeitsrechtlich gar nichts geklärt ist – den Rest kann man sich sogar mit minimalstem ökonomischem Sachverstand ausrechnen. 57% aller Prostituierten die hauptsächlich im Sexgewerbe arbeiten haben keine Altersvorsorge. Das sind ausbeuterische Verhältnisse. Quelle „BMFJS Studie zu den Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes. Zusätzlich könnte man auf die Aussagen von ExpertInnen in der Aids- und Drogenberatung, in den Fachberatungsstellen der Kommunen, bei Staatsanwaltschaften und der Polizei zurückgreifen, die bestätigen, dass die induzierende Wirkung des liberalisierten Marktes zu Preisverfall für sexuelle Dienstleistungen und damit zu ausbeuterischen Arbeitsbedingungen führt.Sollte es aber Zahlen geben, die das Gegenteil beweisen, dann bitte her damit. Siehe zur Situation von Sexworkern auch diese Tampep-Studie:
      http://tampep.eu/documents/TAMPEP%202009%20European%20Mapping%20Report.pdf

      Antwort
      • Matthias Lehmann

        Wenn Sie doch schon die TAMPEP-Studie zitieren, warum lesen sie sie dann nicht zu Ende?

        „Repressive policies and legislation across Europe have not led to a reduction in prostitution. The findings of the 2009 European Mapping Report on Prostitution show that the actual legal framework on sex work, health and migration harms the very people it seeks to protect. In addition, it is responsible for a number of the barriers faced by sex workers in Europe regarding equal access to health care and prevention measures.“

        Zu weiteren Informationen über den angeblichen Erfolg der Bestrafung des Kaufs sexueller Dienstleistungen empfehle ich Susanne Dodillet und Petra Östergrens Report “The Swedish Sex Purchase Act: Claimed Success and Documented Effects” [http://gup.ub.gu.se/records/fulltext/140671.pdf], which finds:

        “When it comes to clients, it seems they are less willing to assist as witnesses in cases in which profiteers who exploit the sexual labor of others are prosecuted, since they now find themselves guilty of a crime. Clients are exposed to blackmail and robbery, and the stigma associated with buying sex means people often have to leave their jobs and positions, even on a mere suspicion.”

        Und Pye Jacobsson, Sprecherin der schwedischen NGO Rose Alliance, erklärt:

        “In the sex industry there are people that are being abused, that are suffering, that are trafficking victims etc. But the normal way for the police to find out is not from sex workers, it’s from clients. Because there are clients who are actually not assholes, they will say ‘this doesn’t look good’, they will call the police. And of course now they don’t call the police anymore, because if they call the police they will be accused of a crime.” [Quelle: http://tasz.hu/en/hclu-film/we-want-save-you-and-if-you-dont-appreciate-it-you-will-be-punished%5D

        Sexarbeit aus moralischen Gründen abzulehnen steht jedem Menschen frei. Mit Aufrufen wie diesem oder dem von Alice Schwarzer helfen Sie jedoch, Menschen in der Sexarbeit in die Illegalität abzuschieben, und das ist nicht nur unmoralisch, sondern führt mit Sicherheit zu Verschlechterung ihrer Lage.

      • karlsruherappell

        Vielen Dank für den Hinweis. Wir kennen die Studie. Es geht nicht um Moral. Es geht um die Kritik an massenhafter sexueller Ausbeutung von Frauen (auch Männern – natürlich) und die Selbstverständlichkeit mit der das geschieht. Wenn eine Abolition SexworkerInnen in die Illegalität drängen würde, wäre eine mit bestimmten Auflagen verbundene Konzessionspflicht vielleicht eine Lösung. Dann wäre auch für Freier klar zu erkennen was legal und was illegal ist. Und es würde nicht davon abhängen ob sie gerade Lust dazu haben, etwas zu bemerken.

  4. Norman

    Mir geht das eigentlich nicht weit genug. Das „Recht der Männer“, Frauen kaufen zu können, das Bewusstsein, das Menschen käuflich sind, muss in den Köpfen gekippt werden. Diese Einstellung hat Auswirkungen auf die gesellschaftliche Bild aller Frauen, und leider auch auf das Selbstbild der Frauen.

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    • ulrikeroesemaier

      Norman, wir stimmem mit dir vollkommen überein! Und wir glauben daran, dass ein Umdenken möglich sein kann. Um eine grundsätzliche Debatte darüber zu entfachen und um die zu unterstützen, die das auch so sehen, haben wir den Karlsruher Appell auf den Weg gebracht. Danke für deine Solidarität!

      Antwort
  5. Matthias Lehmann

    Doppelveranstaltung zum Thema Prostitutionsgesetz am 9.12. in der Berliner Urania

    Aufgrund der derzeitigen politischen Situation bietet diese Veranstaltung sowohl der allgemeinen Öffentlichkeit als auch den von einer möglichen Gesetzesänderung Betroffenen die Gelegenheit, sich umfassend zu informieren. Lesen Sie dazu bitte die detaillierte Info-Broschüre [http://tinyurl.com/o8d9p6v], die u.a. die Referentinnen und Referenten aus den Bereichen Justiz, Polizei, Soziales und Wissenschaft auflistet.

    (Die Veranstaltung wird komplett aufgezeichnet und die Aufnahmen werden zu einem späteren Zeitpunkt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.)

    „Das habe ich mir ja ganz anders vorgestellt!“
    9. Dezember 2013 – 18:00 Uhr
    Humboldt-Saal, Urania Berlin
    An der Urania 17, 10787 Berlin

    Flyer [PDF] http://tinyurl.com/o8d9p6v

    Antwort
    • karlsruherappell

      Hallo Herr Lehmann, habe heute morgen dazu die Berichterstattung im Deutschlandfunk gehört: Fazit: „einseitige Veranstaltung“ und natürlich im Interesse von Frau Schirow, die als Unternehmerin im Sexgewerbe verständlicherweise ganze eigene und in erster Linie ökonomische Interessen verfolgt. Kann sie ja gerne machen, ist ja nicht verboten. Das hat allerdings mit der Arbeit die wir hier machen nichts zu tun. Was Schweden und die Analyse des Schwedischen Modells angeht: die Bestrafung der Freier genügt offensichtlich nicht, um Prostitution einzudämmen. Um Prostitution abzuschaffen und die sexuelle Ausbeutung zu stoppen, müsste der Staat noch sehr viel umfangreicher tätig werden: noch mehr Aufklärung, echte Kontrolle und bessere Ausstiegsoptionen. Für Frauen wie Felicitas Schirow, die vielleicht nichts anders gelernt haben als für Geld Sex zu haben oder andere Frauen für sich anschaffen zu lassen, also klassische Huren- und Zuhältertätigkeiten, könnte man sozialverträgliche Programmen für Althuren bereitstellen. Immer noch besser, als massenhafte sexuelle Ausbeutung mehrheitlich armer Frauen durch Männer, die sich nichts dabei denken, in Kauf zu nehmen. Es dreht sich alles nur um Freier und ihre möglichst störungsfreie und billige Triebabfuhr. Wenn man darüber nachdenkt, was das Ganze wirklich ist und für viele Menschen bedeutet, dann kann man nur für die Abschaffung der Prostitution sein. Aber man muss natürlich bereit sein, sich mit den tatsächlichen Konsequenzen auseinanderzusetzen, davon sind Sie noch Lichtjahre entfernt. Viele Grüße Ulrie Maier

      Antwort
  6. Matthias Lehmann

    Auf dem Podium waren ein langjähriger Vorsitzender Richter des Verwaltungsgerichts und ehemaliger Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, eine Dezernatsleiterin des LKA Berlin, eine Rechtswissenschaftlerin, eine Sozialarbeiterin, eine Soziologin, zwei frauenpolitische Sprecherinnen und ein Forscher, die sich alle ausführlich mit der Thematik befasst haben. Was allen gemein ist, ist die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema, und insofern war es einseitig: einseitig sachlich. Es wird in Kürze Aufnahmen der Veranstaltung geben, dann können Sie sich selbst ein Bild machen.

    Antwort

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