karlsruher appell für eine gesellschaft ohne prostitution

Terre des Femmes – Schluss mit käuflichem Sex…

…oder eher nicht? Ziemlich heftig ging es zu in der letzten „Menschen bei Maischberger„- Sendung, die sich mit dem Prostitutionsverbot beschäftigte.  Fassungslos mussten ZuschauerInnen mit ansehen, wie die Vorstandsfrau von Terrre des Femmes live und in aller Öffentlichkeit Positionen bezog, die irgendwie im Gegensatz zu den Zielen ihres Verbandes stehen: In einvernehmlichen bezahlten Sex unter Erwachsenen hätte der Staat sich nicht einzumischen und wenn der Dienst an der Waffe mit 18 möglich sei, müsse auch der „Dienst am Menschen“ ab 18 gestattet sein.  Und im Übrigen gelte das ProstG ja auch nur für einen Teil Frauen. (also z. B. nicht für die Mehrheit der in Deutschland arbeitenden Migrantinnen Anm. der Verfasserinnen). Die erste Position kann noch mit der grünen Vergangenheit von Frau Schewe Gerigk erklärt werden – immerhin ist sie eine der HauptinitiatorInnen des ProstG.  Angesichts ihrer weiteren Äußerungen, die wenig Empathie für das Schicksal von Frauen zeigen, die nicht zur Zielgruppe des Gesetzes gehören, fehlte vielen ZuschauerInnen dann aber doch das Verständnis:

Der Auszug aus dem Positionspapier Prostitution von Terre des Femmes ist klar und eindeutig: „Selbstverständlich ist Prostitution für uns kein Beruf wie jeder andere. Für TERRE DES FEMMES ist Prostitution, wie sie sich derzeit in Deutschland gestaltet, Ausdruck eines Machtungleichgewichts zwischen den Geschlechtern und mit der Menschenwürde unvereinbar. TDF bewertet Prostitution als frauenverachtend, denn Frauen und weibliche Sexualität werden zur Ware, einem käuflichen Objekt degradiert. So sehen wir was die jetzige Rechtslage betrifft dringenden Handlungsbedarf.“ Kein Wort in dieser Richtung von der Vorsitzenden!

Der sich an die Sendung anschließende Shitstorm reichte von massenhaften Austrittsdrohungen bis zur Empfehlung, Frau Schewe Gerigk möge sich doch bitte selber in der Sexarbeit betätigen, wenn sie eine Verfechterin dieses Berufes sei. Bedauerlich, dass die Gegendarstellung von TdF als Reaktion auf viele wütende Mails und Posts sehr zaghaft ausfiel und den Widerspruch zwischen ureigenen Positionen und den Äußerungen der Vorsitzenden nicht wirklich auflösen konnte:

„Hallo @Alle! Noch ein paar Worte zu der Maischberger-Sendung… für die späte Reaktion entschuldigen wir uns.. wie waren selbst etwas geplättet von der Sendung… Wie ihr an unserem Positionspapier seht, wünschen wir uns eine Gesellschaft ohne Prostitution. Für TERRE DES FEMMES ist Prostitution, wie sie sich derzeit in Deutschland gestaltet, Ausdruck eines Machtungleichgewichts zwischen den Geschlechtern und mit der Menschenwürde unvereinbar. Insofern stufen wir Prostitution auch keinesfalls als einen „Beruf“ wie jeden anderen ein. Dennoch unterstützte TERRE DES FEMMES 2002 das Prostitutionsgesetz und zwar mit dem ausschließlichen Ziel, den Schutz und die Rechte von Menschen in der freiwilligen Prostitution zu stärken. Allerdings sehen wir beim Prostitutionsgesetz auch dringenden Änderungsbedarf! Frau Schewe-Gerigk hat versucht in der Sendung die dringend notwendige Unterscheidung zwischen Prostitution und Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung zu treffen. Denn unserer Meinung nach, muss für eine sachgerechte Auseinandersetzung klar zwischen den beiden Bereichen unterschieden werden. Das Konzept der Sendung Menschen bei Maischberger war hierfür nicht geeignet. Als Gäste eine selbstbestimmte Prostituierte gegen eine Frau, die als Jugendliche klar in die Prostituierte gezwungen wurde zu stellen, ignorierte die Tatsache wie viele Frauen sich im Graubereich zwischen Freiwilligkeit, mangelden Alternativen und Druck im Rotlichtmilieu und war keine Grundlage für eine sachliche Diskussion über mögliche Lösungen diese frauenverachtendes Phänomens.

Den Faupax ihrer Vorsitzenden lapidar mit einem ungeeigneten Sendungskonzept zu entschuldigen – das reicht uns nicht. Wir wünschen uns eine klare Positionierung von Terre des Femmes im Interesse der von Prostitution betroffenen Frauen und eine deutliche Abgrenzung zu SM-Studiobesitzerinnen und selbstzufriedenen Bordellbetreibern. Dann werden wir TdF  in unsere Blogroll aufnehmen.

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